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200 Jahre Velo - von der Laufmaschine zum E-Bike, 1817-2017

„Eine ebenso grosse und stets wachsende Popularität geniesst das Fahrrad in allen Schichten der Bevölkerung, Dank der allgemeinen Würdigung, welche das Radfahren vom gesundheitlichen Standpunkt aus bei der Gesellschaft findet. Das Vergnügen des Radfahrens ist keinem Alter und Stand verschlossen.“ (Adam Opel, 1887)

Das Zitat von Adam Opel passt noch in unsere Zeit. Opel stellte anfangs Nähmaschinen und Velos her, bevor Opel die Autowerke in Deutschland gründete.

Das Velo wurde jedoch nicht immer geliebt. Es erlebte in seiner 200-jährigen Geschichte Hochs und Tiefs. Ganz zu Beginn löste das zweirädrige Fahrzeug ohne Pedale Gelächter aus, als Karl von Drais im Sommer 1817 erstmals die neuartige Laufmaschine auf den Strassen rund um Mannheim in Deutschland vorführte. Mit zwei hintereinander liegenden Rädern, verbunden mit einem Holzgestell und einem montierten Sitz, stiess sich von Drais mit den Füssen vom Boden ab. 1818 liess der Freiherr die Laufmaschine gesetzlich schützen. Der kommerzielle Erfolg blieb jedoch aus. Dabei sollte die Laufmaschine eine (preiswerte) Alternative zum Pferd bieten. Denn mit dem „Jahr ohne Sommer“, verursacht durch den Ausbruch des Vulkans Tambora im Jahr 1815 in Indonesien, fielen vermehrt Ernten aus. In der Folge stiegen die Getreidepreise stark an, so dass die Haltung von Pferden schwieriger wurde.

 

Zum massentauglichen Fahrzeug wurde das Velo in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Drahtesel kam in bürgerlichen Kreisen aus der Mode, beziehungsweise die Modelle veralteten aufgrund der stetigen Neuerungen schneller. So wurden Velos für die Arbeiter erschwinglicher. Die Arbeiter legten je nachdem lange Wege zu ihrem Arbeitsort zurück. Eine Tabelle zeigt, wie die Regionen im Kanton St.Gallen vom Veloverkehr im Jahr 1930 betroffen waren. So war die Strecke Rorschach-Arbon mit 176% am stärksten mit Velofahrern im Verhältnis zum übrigen Verkehr ausgelastet. Im Vergleich dazu brachte es die Strecke St.Gallen-Rorschach auf nur 38% Auslastung. Der grösste Verkehr herrschte auf denjenigen Strecken, an denen sich grosse industrielle Werke befanden. Zu dieser Feststellung kam der Regierungsrat des Kantons St.Gallen an seiner Sitzung vom 6. Oktober 1930. Ausgangspunkt der magistralen Erörterungen war die Anfrage des Kantonsrats und Sägereibesitzers, Josef Beyer, aus dem Bezirk Neutoggenburg, welcher sich für einen Ausbau von Velowegen gerade auf viel befahrenden Staatsstrassen einsetzte.

Bild vergrössern: Veloverkehr pro Tag und prozentuale Werte des Veloverkehrs im Verhältnis zum übrigen Verkehr,

Veloverkehr pro Tag und prozentuale Werte des Veloverkehrs im Verhältnis zum übrigen Verkehr, 2. Oktober 1930 (StASG KA R.64-6b)

Bild vergrössern:  Ein verdächtiges Foto

Arbeiter auf einem Velo neben einem Bahngleis, 1938 (StASG W 263/042)

 

In den 1960er Jahren galten die Velos europaweit als rückständig und sollten in Zukunft immer mehr aus den Städten verschwinden. Diese Ansicht änderte sich schon zehn Jahre später im Zusammenhang mit der Ölkrise. Der Treibstoffengpass zeigte die Grenzen des Wachstums auf. Umweltbewegungen und alternative Verkehrskonzepte entwickelten sich - bis heute zentrales Thema in Ballungsgebieten. 

 

Der Trend des Velofahrens hält weiterhin an! So wurden nach Angaben der „Velosuisse - Vereinigung der Schweizer Veloimporteure“ im Jahr 2016 324‘581 neue Velos in der Schweiz verkauft. Bei jedem vierten handelte es sich um ein E-Bike. Im Vergleich zum Vorjahr ergab dies eine Zunahme bei den E-Bikes von 14%.

Seit Beginn der Laufmaschine von Drais entwickelte sich das Velo zu einem massentauglichen Fahrzeug. Es ist ein fester Bestandteil in der Freizeit und Arbeitswelt geworden…

Bild vergrössern: Adolf Wismer: Hauptmann Vogel, Charmeur auf dem Velo (Karikatur), 1939-1945

Adolf Wismer: Hauptmann Vogel, Charmeur auf dem Velo (Karikatur), 1939-1945 (StASG W 130/Seite 133)

 

 

Bild vergrössern: Velofahrender Briefträger am Bahnhof, 1938 (StASG W 263/218)

Velofahrender Briefträger am Bahnhof, 1938 (StASG W 263/218)

Quellen

 

StASG KA R.64-6b (Kantonsarchiv, Strassen und Brücken, Strassenpolizei)

StASG W 130/Seite 133 (Privatarchive, Chronik AWZ 7A (Auswertezentrale des Fliegerbeobachtungs- und Meldedienstes FIBMD, Gruppe 7A): Aktivdienst)

StASG W 263/042 (Privatarchive, Josef Guntli (1908-1968), Fotograf in Vilters)

StASG W 263/218 (Privatarchive, Josef Guntli (1908-1968), Fotograf in Vilters)

StASG ZDA 1/09 (Sammlungen, Pressedokumentation, Kantonsräte (Grossräte))

 

Mario Bäumer, Museum der Arbeit: Das Fahrrad. Kultur, Technik, Mobilität; Hamburg, Junius, 2014, S. 7, S. 9, S. 15, S. 49, S. 68f.

Velosuisse - Vereinigung der Schweizer Veloimporteure: Ungebrochener E-Bike Boom; URL: http://www.velosuisse.ch/de/statistik_aktuell.html (Stand: 10. August 2017).

 

 

Christine Stoy, Staatsarchiv St.Gallen

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